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Schulformen und -wege

Viele Eltern sind  von der Vielfalt der deutschen Schulformen und - wege verwirrt. Es gibt zwar überall Grundschulen, aber in den einen Ländern dauern sie sechs in anderen vier Jahre. Es gibt auch fast überall Gymnasien, Haupt- und Realschulen, aber ihr Stellenwert ist nicht überall gleich. Daneben gibt es Gesamtschulen, Orientierungs- und Förderstufen und überall führt ein anderer Weg zum Abitur.

Das Wichtigste, was man wissen sollte vorweg: Auch ein Kind, welches im Saarland zur Grundschule geht, kann später in NRW die Realschule besuchen, in Hamburg das Abitur machen und in Dresden studieren. Die Anforderungen, die in den verschiedenen Schulformen gestellt werden, sind unter den Ländern abgestimmt und die jeweiligen Abschlüsse werden gegenseitig anerkannt. Die einzige Ausnahme ist eine besondere Form der Hochschulreife in Nordrhein-Westfalen, mit der die AbsolventInnen ausschliesslich in Nordrhein-Westfalen studieren können. In allen anderen Fällen ist jedes Abitur, jeder Haupt- oder Realschulabschluss quer durch die Republik gleich viel “wert”.  Um ihn zu erreichen müssen die Schüler zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern theoretisch überall gleichartige Anforderungen erfüllt haben. Darauf hat sich die “Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder” geeinigt. Die Praxis sieht leider oft anders aus.

Die Länderunterschiede entstehen nicht durch die Abschlüsse, sondern durch die Wege dahin. Gibt es viele Möglkichkeiten, in die gymnasiale Oberstufe zu kommen, oder nur wenige? Gibt es viele Angebote, von einer Schulform in die andere zu wechseln, oder nur wenige? Und: Wie alt sind die Kinder, wenn die wichtigsten Entscheidungen über die Schulwahl fallen - zehn, zwölf oder fünfzehn Jahre?

Vielen Kindern wird bereits in der vierten Klasse die folgenschwere Frage gestellt: Wie soll es weitergehen? Seit Jahren kritisieren ExpertInnen diesen Zwang zur frühen Wahl als pädagogischen Unsinn. Für die meisten Kinder, Eltern und LehrerInnen ist es kaum möglich, bereits während der vierten Klasse zu wissen, wo die individuellen Begabungen und Fähigkeiten eines Kindes liegen. Viele Zehnjährige sind noch sehr verspielt und entwickeln sich erst mit elf, zwölf Jahren zu aufmerksamen SchülerInnen. Andere wirken in der Grundschule scheinbar ziel- und interesselos und engagieren sich erst mit vierzehn Jahren für spezielle Fächer und Fragen. Das hierarchisch gegliederte Schulsystem kann diese Entwicklungsunterschiede kaum berücksichtigen.

In den meisten Ländern gibt es zusammen mit den Grundschulzeugnissen eine Empfehlung oder ein Gutachten, das festhält für welche weiterführende Schule sich das Kind eignet. Zusätzlich wurden fast überall Gesetze geschaffen, die den Übergang in die nächste Schulform regeln, wenn die Eltern etwas anderes wollen, als das Gutachten in der Grundschule vorsieht. In diesem Konflikt um das letzte Wort überlassen inzwischen viele Länder die entscheidende Wahl den Eltern. Nur noch wenige sehen im Konfliktfall eine Aufnahmeprüfung im Gymnasium oder Probeunterricht für das Kind vor.

Es gibt keine Garantie, die vor einer falschen Wahl schützt, auch “geeignete” Kinder können im empfohlenen Bildungsgang scheitern. Wichtig ist letztendlich, dass die Familie das Kind nicht zum Versager stempelt, auch wenn die Versetzung in eine andere Schulform ansteht.

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